Der Hererokrieg

Am 12. Januar 1904 erfolgte dann ein für die deutsche Kolonialverwaltung völlig überraschender, umfassender Aufstand der Herero - der Hererokrieg. Da sich zu dieser Zeit die meisten deutschen Truppeneinheiten im Süden des Landes aufhielten, wo sie zuvor kleinere Aufstände niedergeschlagen hatten, brachte er die deutsche Schutztruppe in ernste Bedrängnis. Die unter Hauptmann Franke geführte 2. Kompanie stieß in einem Gewaltritt nach Okahandja und Omaruru vor, und befreite im Sturmangriff die eingeschlossenen Orte und sicherte die Bahnlinie Swakopmund-Windhuk. Ein Landungskorps des eiligst aus Südafrika herbeibeorderten Kanonenboots SMS Habicht, das in Swakopmund an Land ging und am 18. Januar Karibib erreichte, kam ihnen zu Hilfe. Als die Schreckensnachricht über den Aufstand und die ca. 150 zum Teil grausam ermordeten deutschen Männer, Frauen und Kinder in Deutschland eintraf, löste sie große Bestürzung aus und so wurde eiligst ein Marine-Infanteriebataillon unter Führung von Major Glasenapp nach Swakop entsandt. Doch es gelang dem Gouverneur, Oberst Leutwein auch mit dieser Unterstützung nicht die tapfer und entschlossen kämpfenden Herero zu schlagen, und erst nach langwierigen Verhandlungen im Reichstag entsandte Kaiser Wilhelm II eine namhafte Verstärkung der Schutztruppe.

Leutwein wurde als militärischer Befehlshaber von Deutsch-Südwest-Afrika abgelöst und durch den mit einer Truppenverstärkung von rund 15.000 Soldaten am 11. Juni 1904 anlandenden Generalleutnant Lothar von Trotha ersetzt. Dieser setzte als erste Maßnahme ein Kopfgeld von 5.000 Mark für die Gefangennahme Samuel Mahareros aus und bekämpfte die Herero mit aller Härte. Der sogenannte Schießbefehl Trothas und dessen Auswirkungen brachte die deutsche Truppe sehr in Verruf. Bei der Schlacht am Waterberg wurden die Herero am 14. August 1904, trotz sehr starker deutscher Verluste, vernichtend geschlagen und aufgrund des Schießbefehls in die trockene Buschsteppe Omaheke nach Botswana abgedrängt, wo mehrere tausend Männer, Frauen und Kinder verdursteten (Genozid), während die wenigen Wasserstellen von der deutschen Schutztruppe besetzt wurden. Der Hererokrieg endete mit dem fast völligen Untergang des Restes dieses geschundenen Volkes, das schon zuvor in dem "Blutbad von Okahandja", im August 1850, durch die Orlamhottentotten, und danach durch Samuel Mahareros eigenen Vater, dessen Name ebenfalls Maharero war, hatte hart leiden müssen und große Verluste erlitten hatte. Hererohäuptling Maharero hatte sich in den 1850er Jahren dem Oberbefehl des Orlamhottentottenchefs Jonker Afrikaner unterstellt und diverse Raubzüge für ihn gegen andere Hererostämme so wirkungsvoll und effektiv unternommen, dass der bekannte Afrika-Forscher Dr.Heinrich Vedder im Jahr 1858 feststellte: "Das Hererovolk hat, soweit wir es kennen, aufgehört zu bestehen".

Nach der Schlacht am Waterberg erreichten nur etwa 2.000 Herero Botswana - unter ihnen ihr Häuptling Samuel Maharero.

Obwohl der Begriff „Völkermord“ juristisch in diesem Fall umstritten ist (er wurde erst 1943 geprägt und erfüllt damit 1904 noch keinen Tatbestand), ist sich die Bundesrepublik Deutschland ihrer besonderen „Verantwortung bewusst“. Dennoch ist das Verhältnis zwischen den beiden Völkern heute erstaunlich gut, und Aussagen einiger Historiker aus dem Volk der Herero zufolge erfüllt die Geschichte sie, so wörtlich: „als altes Kriegervolk mit Stolz, gegen eine so große Nation wie Deutschland gekämpft zu haben.“ Bei den jährlichen Festlichkeiten der Herero in Okahandja werden neben ihren eigenen Kriegern auch immer die gefallenen deutschen Soldaten geehrt. Dennoch vermeidet die deutsche Regierung ein umfassendes Schuldbekenntnis auch deshalb, um Entschädigungsforderungen der Nachkommen der Herero entgegenzutreten.